Praktikermethode Schweiz: Formel einfach erklärt

Blog
8. Juni 2026

Aktualisiert am 26. August 2026

Autor: Schweizer Nachfolge Experten AG

Die Praktikermethode berechnet den Unternehmenswert nach der Formel (Ertragswert x 2 + Substanzwert) / 3 und gewichtet damit die künftige Ertragskraft doppelt so stark wie das vorhandene Vermögen. Sie ist in der Schweiz die am häufigsten verwendete Bewertungsmethode für KMU, weil sie einfach nachvollziehbar ist und ohne komplexe Finanzmodelle auskommt.

Was ist die Praktikermethode?

Die Praktikermethode – auch Schweizer Methode oder Mittelwertmethode genannt – ist ein pragmatisches Verfahren zur Ermittlung des Unternehmenswerts kleiner und mittlerer Unternehmen. Sie kombiniert zwei etablierte Bewertungsansätze in einer einzigen Formel: den Ertragswert, der die zukünftige Ertragskraft eines Unternehmens abbildet, und den Substanzwert, der das vorhandene Nettovermögen widerspiegelt. Anstatt sich für eine der beiden Methoden zu entscheiden, bildet die Praktikermethode einen gewichteten Mittelwert – mit doppeltem Gewicht auf dem Ertragswert.

Entwickelt wurde die Methode ursprünglich für die steuerliche Bewertung von Unternehmen ohne Börsenkurs. Weil sie schnell anwendbar ist und mit den in der Schweiz gängigen Buchhaltungsunterlagen funktioniert, hat sie sich weit über den steuerlichen Kontext hinaus als Faustregel für Erstbewertungen bei KMU-Nachfolgen und -Verkäufen etabliert.

Die Formel der Praktikermethode im Detail

Die Formel lautet:

Unternehmenswert = (Ertragswert x 2 + Substanzwert) / 3

Die folgende Tabelle zeigt, welche Grösse in die Formel einfliesst und wie sie gewichtet wird:

Komponente Was sie misst Gewichtung in der Formel
Ertragswert Barwert der künftig erwarteten Gewinne bzw. Erträge 2-fach (zwei Drittel)
Substanzwert Nettovermögen des Unternehmens zu Verkehrswerten (Aktiven minus Schulden) 1-fach (ein Drittel)

Der Ertragswert

Der Ertragswert basiert auf den nachhaltig erzielbaren Gewinnen der letzten Geschäftsjahre, die um einen Kapitalisierungssatz auf einen heutigen Wert umgerechnet werden. Der Kapitalisierungssatz hängt vom jeweils aktuellen Zinsumfeld sowie vom unternehmensspezifischen Risiko ab. Wie der Ertragswert im Detail berechnet wird und wann er dem Substanzwert vorzuziehen ist, erklären wir ausführlich im Artikel Ertragswert vs. Substanzwert: Was wann zählt.

Der Substanzwert

Der Substanzwert entspricht dem Nettovermögen des Unternehmens: alle Aktiven (Maschinen, Immobilien, Warenlager, liquide Mittel) zu Verkehrswerten bewertet, abzüglich sämtlicher Verbindlichkeiten. Er zeigt, was übrig bliebe, wenn das Unternehmen morgen liquidiert würde – unabhängig davon, wie profitabel es künftig arbeitet.

Warum ist die Praktikermethode in der Schweiz so verbreitet?

Mehrere Gründe erklären die Popularität der Praktikermethode bei Schweizer KMU:

  • Einfachheit: Die Formel benötigt lediglich eine Jahresrechnung und eine Ertragswertberechnung – keine aufwendigen Discounted-Cashflow-Modelle mit mehrjährigen Prognosen.
  • Historische Verankerung: Sie wurde lange von Steuerbehörden für die Vermögenssteuerbewertung nicht kotierter Aktien verwendet und ist dadurch in der Schweizer Unternehmerpraxis fest verankert.
  • Breite Anwendbarkeit: Sie funktioniert branchenübergreifend, von Gewerbebetrieben über Dienstleister bis zu produzierenden KMU.
  • Nachvollziehbarkeit für Nachfolgeparteien: Bei familieninternen oder mitarbeiterinternen Nachfolgen (MBO) schätzen beide Seiten eine Methode, die sich ohne externe Bewertungsspezialisten grob nachrechnen lässt.

Gerade weil sie so weit verbreitet ist, dient die Praktikermethode häufig als erster Referenzwert, bevor eine vertiefte Bewertung mit Multiplikator-Verfahren oder Discounted-Cashflow-Methoden erfolgt. Einen Überblick über gängige EBIT-Multiplikatoren für Schweizer KMU finden Sie im Artikel EBIT-Multiples Schweiz 2026: Tabelle für KMU.

Für welche Unternehmen eignet sich die Praktikermethode?

Die Praktikermethode eignet sich besonders gut für:

  • Kleine und mittlere Unternehmen mit stabilen, wenig volatilen Erträgen über mehrere Jahre.
  • Substanzstarke Betriebe, etwa im Gewerbe, Handwerk oder Handel, bei denen Maschinen, Immobilien oder Warenlager einen wesentlichen Wertbeitrag leisten.
  • Familieninterne Nachfolgen und Management-Buy-outs, bei denen eine einfache, für beide Parteien verständliche Verhandlungsbasis gefragt ist.
  • Erste Indikativbewertungen vor einem Verkaufsprozess, um rasch eine Grössenordnung zu erhalten.

Weniger geeignet ist die Methode für stark wachstumsorientierte Unternehmen mit geringer Substanz, etwa junge Technologie- oder Beratungsfirmen, deren Wert primär im künftigen Wachstumspotenzial und nicht im bilanzierten Vermögen liegt. Für solche Fälle bieten sich alternative Ansätze an, die wir im Artikel Unternehmensbewertung Schweiz: 8 bewährte Methoden für KMU vorstellen.

Einfaches Rechenbeispiel zur Praktikermethode

Angenommen, ein Schweizer KMU aus dem Kanton Aargau weist folgende Werte auf:

  • Ertragswert: CHF 1'400'000
  • Substanzwert: CHF 800'000

Die Berechnung nach der Praktikermethode lautet:

(CHF 1'400'000 x 2 + CHF 800'000) / 3 = (CHF 2'800'000 + CHF 800'000) / 3 = CHF 3'600'000 / 3 = CHF 1'200'000

Der so ermittelte Praktikerwert von CHF 1'200'000 liegt zwischen dem reinen Substanzwert und dem reinen Ertragswert, aber näher am Ertragswert – ein direktes Resultat der doppelten Gewichtung. Ein ausführliches Rechenbeispiel mit mehreren Varianten und unterschiedlichen Gewichtungsszenarien finden Sie im vertiefenden Artikel Praktikermethode Schweiz – Unternehmensbewertung einfach erklärt mit Rechenbeispiel.

Grenzen und Kritik an der Praktikermethode

Trotz ihrer Beliebtheit hat die Praktikermethode klare methodische Schwächen, die bei der praktischen Anwendung berücksichtigt werden sollten:

  • Fixe Gewichtung ohne betriebswirtschaftliche Herleitung: Die 2:1-Gewichtung zwischen Ertrags- und Substanzwert ist eine pauschale Faustregel und nicht aus den individuellen Risiken des Unternehmens abgeleitet.
  • Vergangenheitsorientierung: Der Ertragswert stützt sich meist auf historische Jahresrechnungen und bildet künftiges Wachstum oder strukturelle Veränderungen nur unzureichend ab.
  • Keine Marktperspektive: Käufer bewerten Unternehmen oft nach EBIT- oder EBITDA-Multiplikatoren, die sich am effektiven Transaktionsmarkt orientieren. Die Praktikermethode bildet diese Marktsicht nicht ab und kann dadurch deutlich vom tatsächlich erzielbaren Verkaufspreis abweichen.
  • Ungeeignet für substanzarme Wachstumsunternehmen: Bei Unternehmen mit geringem Anlagevermögen, aber hohem Zukunftspotenzial, führt die Substanzwert-Komponente zu einer systematischen Unterbewertung.

In der Praxis empfehlen wir, den mit der Praktikermethode ermittelten Wert stets als Ausgangspunkt und nicht als Endresultat zu verstehen. Für eine belastbare Bewertung im Rahmen eines Verkaufs- oder Nachfolgeprozesses sollte er mit marktbasierten Multiplikator-Verfahren plausibilisiert werden. Typische Fehler bei diesem Abgleich beschreiben wir im Artikel Typische Fehler bei der Firmenbewertung.

Praktikermethode im Vergleich zu anderen Methoden

Neben der Praktikermethode kommen in der Schweiz vor allem die reine Ertragswertmethode, die Substanzwertmethode sowie marktbasierte Multiplikator-Verfahren (EBIT- oder EBITDA-Multiples) zum Einsatz. Während die Praktikermethode einen schnellen Mittelwert liefert, bilden Multiplikator-Verfahren die aktuelle Marktbewertung vergleichbarer Transaktionen ab und werden von potenziellen Käufern häufig stärker gewichtet. Eine strukturierte Gegenüberstellung der verschiedenen Ansätze finden Sie im Artikel Firmenwert berechnen in der Schweiz: Methoden und Tipps.

Fazit

Die Praktikermethode ist wegen ihrer Einfachheit und historischen Verbreitung die am häufigsten genutzte Bewertungsmethode für Schweizer KMU. Mit der Formel (Ertragswert x 2 + Substanzwert) / 3 liefert sie rasch eine erste Wertindikation, die insbesondere für substanzstarke, ertragsstabile Betriebe und für familieninterne Nachfolgen geeignet ist. Für wachstumsstarke oder substanzarme Unternehmen sowie für belastbare Verkaufspreisverhandlungen sollte der Praktikerwert jedoch stets mit weiteren Methoden ergänzt werden.

Möchten Sie den Wert Ihres Unternehmens mit einer fundierten, auf mehreren Methoden basierenden Bewertung ermitteln? Nutzen Sie unser Bewertungstool oder starten Sie direkt mit einer professionellen Unternehmensbewertung.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist die Praktikermethode einfach erklärt?
Die Praktikermethode ist eine Formel zur Unternehmensbewertung, die den Ertragswert doppelt und den Substanzwert einfach gewichtet: Unternehmenswert = (Ertragswert x 2 + Substanzwert) / 3. Sie liefert eine rasche, nachvollziehbare Wertindikation für KMU.
Warum wird der Ertragswert doppelt gewichtet?
Die doppelte Gewichtung des Ertragswerts spiegelt die Annahme wider, dass die künftige Ertragskraft eines Unternehmens für dessen Wert wichtiger ist als das reine Vermögen. Käufer erwerben in erster Linie zukünftige Erträge, nicht nur Bilanzsubstanz.
Ist die Praktikermethode für jede Branche geeignet?
Nein. Sie eignet sich gut für substanzstarke, ertragsstabile KMU, etwa im Gewerbe oder Handel. Für wachstumsorientierte Unternehmen mit geringem Anlagevermögen, zum Beispiel in der Beratung oder Softwareentwicklung, führt sie tendenziell zu einer Unterbewertung.
Wie unterscheidet sich die Praktikermethode von der Ertragswertmethode?
Die reine Ertragswertmethode stützt sich ausschliesslich auf die kapitalisierten künftigen Erträge. Die Praktikermethode ergänzt diesen Wert um den Substanzwert und bildet daraus einen gewichteten Mittelwert, was das Ergebnis stabiler, aber auch weniger marktnah macht.
Kann ich die Praktikermethode für den Verkauf meines Unternehmens verwenden?
Der mit der Praktikermethode berechnete Wert eignet sich als erste Orientierung, sollte für Verkaufsverhandlungen aber mit marktbasierten Multiplikator-Verfahren und einer professionellen Unternehmensbewertung ergänzt werden, da Käufer oft andere Bewertungslogiken anwenden.

Ihr Unternehmen bewerten lassen?

Erhalten Sie in wenigen Minuten eine indikative Bewertung Ihres Unternehmens.