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Praktikermethode Schweiz: Rechenbeispiele im Detail

Von Schweizer Nachfolge Experten AG • 14. Juli 2026

Aktualisiert am 26. August 2026

Autor: Schweizer Nachfolge Experten AG

Die Praktikermethode berechnet den Unternehmenswert als gewichteten Mittelwert aus Ertragswert und Substanzwert, in der Schweizer Praxis meistens im Verhältnis 2:1 zugunsten des Ertragswerts. Wie stark sich dieses Ergebnis verändert, wenn ein Betrieb substanzstark ist, eine alternative Gewichtung angewendet wird oder sich der Kapitalisierungszinssatz verschiebt, zeigen die folgenden vollständig durchgerechneten Beispiele für Schweizer KMU.

Kurz zur Formel – und wo die Grundlagen stehen

Die Praktikerformel lautet: Unternehmenswert = (2 × Ertragswert + 1 × Substanzwert) / 3. Der Ertragswert ergibt sich aus dem nachhaltig erzielbaren Reingewinn geteilt durch den Kapitalisierungszinssatz, der Substanzwert aus dem bereinigten Eigenkapital der Firma. Eine ausführliche Erklärung der Formel, ihrer Herkunft sowie Vor- und Nachteile findest du im Grundlagenartikel Praktikermethode Schweiz einfach erklärt. Dieser Beitrag hier setzt genau dort an, wo die Grundlagen aufhören: bei mehreren durchgerechneten Varianten, alternativen Gewichtungen und der Frage, wie stark der Kapitalisierungszinssatz das Ergebnis verschiebt.

Rechenbeispiel 1: Standardgewichtung 2:1 bei einem Handwerksbetrieb

Ausgangslage: Ein Elektroinstallationsbetrieb im Kanton Bern erwirtschaftet über die letzten drei Geschäftsjahre einen durchschnittlichen, um Sondereffekte bereinigten Reingewinn von CHF 180'000. Der Kapitalisierungszinssatz wird mit 8% angesetzt, das bereinigte Eigenkapital (Substanzwert) beträgt CHF 900'000.

Die Berechnung erfolgt in drei Schritten:

  1. Ertragswert: CHF 180'000 / 0.08 = CHF 2'250'000
  2. Substanzwert: CHF 900'000 (bereits gegeben aus der Bilanz)
  3. Praktikerwert (2:1): (2 × CHF 2'250'000 + CHF 900'000) / 3 = CHF 5'400'000 / 3 = CHF 1'800'000

Der Ertragswert dominiert hier klar das Ergebnis, weil er doppelt gewichtet in die Formel einfliesst. Das ist bei personenbezogenen Dienstleistungs- und Handwerksbetrieben mit überschaubarer Substanz die übliche Vorgehensweise, weil die Ertragskraft aussagekräftiger ist als die reine Bilanzsubstanz.

Rechenbeispiel 2: Alternative Gewichtung 1:1 für substanzstarke Betriebe

Bei Betrieben mit hoher Substanz – etwa Bauunternehmen mit eigenen Liegenschaften, Maschinenparks oder Immobiliengesellschaften – wird in der Bewertungspraxis teilweise eine Gewichtung von 1:1 zwischen Ertragswert und Substanzwert angewendet, weil die Substanz hier einen wesentlichen, eigenständigen Werttreiber darstellt.

Ausgangslage: Ein Bauunternehmen mit eigenen Betriebsliegenschaften im Kanton Zug erzielt einen nachhaltigen Reingewinn von CHF 198'000 bei einem Kapitalisierungszinssatz von 9%. Das bereinigte Eigenkapital inklusive der Liegenschaften zu Verkehrswerten beträgt CHF 3'400'000.

  1. Ertragswert: CHF 198'000 / 0.09 = CHF 2'200'000
  2. Substanzwert: CHF 3'400'000
  3. Praktikerwert bei Standardgewichtung 2:1: (2 × CHF 2'200'000 + CHF 3'400'000) / 3 = CHF 7'800'000 / 3 = CHF 2'600'000
  4. Praktikerwert bei alternativer Gewichtung 1:1: (CHF 2'200'000 + CHF 3'400'000) / 2 = CHF 5'600'000 / 2 = CHF 2'800'000

Der Unterschied zwischen den beiden Gewichtungen beträgt in diesem Fall CHF 200'000 beziehungsweise rund 7.7% des Werts. Je höher der Substanzwert im Verhältnis zum Ertragswert liegt, desto stärker wirkt sich die Wahl der Gewichtung auf das Endergebnis aus. Die folgende Tabelle stellt beide Beispiele und Gewichtungsvarianten gegenüber.

SzenarioReingewinnZinssatzErtragswertSubstanzwertGewichtungPraktikerwert
Handwerksbetrieb (BE)CHF 180'0008%CHF 2'250'000CHF 900'0002:1CHF 1'800'000
Bauunternehmen (ZG)CHF 198'0009%CHF 2'200'000CHF 3'400'0002:1CHF 2'600'000
Bauunternehmen (ZG)CHF 198'0009%CHF 2'200'000CHF 3'400'0001:1CHF 2'800'000

Sensitivitätsanalyse: Wie stark verändert der Kapitalisierungszinssatz das Ergebnis?

Der Kapitalisierungszinssatz hat unter allen Stellschrauben der Praktikermethode den grössten Hebel, weil er direkt in die Division für den Ertragswert einfliesst. Am Beispiel des Handwerksbetriebs aus Rechenbeispiel 1 (Reingewinn CHF 180'000, Substanzwert CHF 900'000, Standardgewichtung 2:1) zeigt sich, wie unterschiedlich das Resultat bei verschiedenen Zinssätzen ausfällt:

KapitalisierungszinssatzErtragswertPraktikerwert (2:1)
6%CHF 3'000'000CHF 2'300'000
8%CHF 2'250'000CHF 1'800'000
10%CHF 1'800'000CHF 1'500'000
12%CHF 1'500'000CHF 1'300'000

Zwischen dem tiefsten und dem höchsten hier gezeigten Zinssatz liegt eine Differenz von CHF 1'000'000 beim Praktikerwert – bei identischem Reingewinn und identischer Substanz. Das zeigt, weshalb der gewählte Kapitalisierungszinssatz in jedem Bewertungsbericht offengelegt und begründet werden sollte: Er setzt sich in der Regel aus einem Basiszinssatz sowie Zuschlägen für Unternehmensrisiko, Grössen- und Liquiditätsrisiko zusammen und ist damit immer eine Einschätzung, kein fixer Marktwert.

Woraus setzt sich der Kapitalisierungszinssatz zusammen?

Der Kapitalisierungszinssatz ist kein einzelner, am Markt ablesbarer Wert, sondern wird für jeden Betrieb individuell hergeleitet. Üblich ist ein Aufbau aus mehreren Bausteinen: einem risikolosen Basiszinssatz, einem allgemeinen Unternehmerrisikozuschlag, einem branchenspezifischen Zuschlag sowie einem Zuschlag für Grösse, Kundenkonzentration oder Abhängigkeit von der Inhaberperson. Ein kleiner, stark inhabergeprägter Handwerksbetrieb wird deshalb regelmässig mit einem höheren Zinssatz kapitalisiert als ein grösseres, breiter abgestütztes Unternehmen mit diversifiziertem Kundenstamm und eingespieltem Kader. Wer den eigenen Zinssatz herleitet, sollte jeden Zuschlag einzeln begründen können – pauschale Annahmen ohne Herleitung schwächen die Aussagekraft des gesamten Rechenbeispiels.

Welche Gewichtung passt zu welchem Betrieb?

  • Standardgewichtung 2:1: geeignet für personenbezogene Dienstleistungsbetriebe, Handwerk, Gewerbe und KMU mit überschaubarer Bilanzsubstanz, bei denen die laufende Ertragskraft der wichtigste Werttreiber ist und die Bilanz hauptsächlich Betriebsmittel ohne grossen eigenständigen Marktwert enthält.
  • Alternative Gewichtung 1:1: geeignet für substanzstarke Betriebe mit eigenen Liegenschaften, umfangreichem Maschinenpark, Warenlager oder hohen liquiden Mitteln, bei denen die Substanz einen wesentlichen eigenständigen Wertbeitrag leistet und auch bei einem Rückgang des Ertrags werthaltig bliebe.
  • Reine Ertragswertbetrachtung (ohne Substanzgewicht): in der Praxis seltener bei KMU, eher bei stark ertragsorientierten Dienstleistungsunternehmen ohne relevante Substanz, bei denen die Bilanz kaum eigenständigen Wert ausserhalb des laufenden Geschäftsbetriebs abbildet.

In der Beratungspraxis lohnt es sich, beide Gewichtungen für denselben Betrieb durchzurechnen und die Differenz offen zu diskutieren, statt sich von Beginn an auf eine einzige Variante festzulegen. So lässt sich transparent nachvollziehen, welchen Effekt die Substanz auf das Gesamtergebnis hat, und Käufer sowie Verkäufer können die Bandbreite gemeinsam einordnen, statt über eine einzelne Zahl zu verhandeln.

Grenzen der Praktikermethode in der vertieften Betrachtung

Auch mit mehreren Gewichtungsvarianten und einer Sensitivitätsanalyse bleibt die Praktikermethode ein vereinfachtes Rechenmodell. Sie berücksichtigt weder künftiges Wachstum noch Investitionsbedarf, und die Wahl von Gewichtung und Zinssatz basiert auf Erfahrungswerten, nicht auf einer streng hergeleiteten Marktbewertung. Für eine belastbare Einordnung lohnt sich deshalb ein Abgleich mit marktorientierten Verfahren wie EBIT-Multiplikatoren; einen Überblick dazu bietet der Beitrag EBIT-Multiples Schweiz: Tabelle für KMU. Wie sich Ertragswert- und Substanzwertansätze grundsätzlich unterscheiden und wann welcher Ansatz mehr Gewicht verdient, erklärt der Artikel Ertragswert vs. Substanzwert: Was wann zählt. Eine strukturierte Schritt-für-Schritt-Anleitung mit weiteren Rechenbeispielen findest du zudem unter Firmenwert berechnen in der Schweiz: Anleitung mit Beispielen.

Praxis-Tipp: Eigene Zahlen durchrechnen und plausibilisieren

Am aussagekräftigsten wird die Praktikermethode, wenn du sie mit den eigenen Betriebszahlen und mehreren Zinssatz-Szenarien durchrechnest, statt dich auf einen einzelnen Wert zu verlassen. So erkennst du frühzeitig, in welcher Bandbreite sich ein realistischer Verkaufs- oder Nachfolgepreis bewegt. Mit dem kostenlosen Unternehmenswertrechner lässt sich diese Bandbreite in wenigen Minuten mit den eigenen Kennzahlen plausibilisieren, bevor eine vertiefte Unternehmensbewertung durch die Schweizer Nachfolge Experten AG folgt.

Häufige Fragen zur Praktikermethode mit mehreren Rechenbeispielen

Warum führen unterschiedliche Gewichtungen zu unterschiedlichen Unternehmenswerten?
Weil die Praktikerformel Ertragswert und Substanzwert je nach gewähltem Verhältnis unterschiedlich stark gewichtet. Bei einer Gewichtung von 2:1 dominiert der Ertragswert, bei 1:1 erhält die Substanz mehr Einfluss auf das Endergebnis – wie das Beispiel des Bauunternehmens mit CHF 2'600'000 gegenüber CHF 2'800'000 zeigt.
Wann lohnt sich eine Gewichtung von 1:1 statt 2:1?
Eine 1:1-Gewichtung ist sinnvoll, wenn ein Betrieb über erhebliche eigene Substanz verfügt, etwa Liegenschaften, Maschinen oder hohe liquide Mittel, die unabhängig von der laufenden Ertragskraft einen eigenständigen Wert darstellen.
Wie stark beeinflusst der Kapitalisierungszinssatz das Ergebnis der Praktikermethode?
Sehr stark: Im durchgerechneten Beispiel mit CHF 180'000 Reingewinn führte eine Spanne von 6% bis 12% Kapitalisierungszinssatz zu einer Differenz von CHF 1'000'000 beim Praktikerwert. Der Zinssatz sollte deshalb immer nachvollziehbar begründet werden.
Kann ich die Praktikermethode für die Preisfindung beim Verkauf verwenden?
Sie eignet sich als erste, gut nachvollziehbare Orientierungsgrösse, sollte aber mit marktorientierten Ansätzen wie EBIT-Multiplikatoren abgeglichen werden, bevor daraus ein konkreter Verkaufspreis abgeleitet wird.
Was ist der Unterschied zwischen dieser Vertiefung und der Grundlagenerklärung der Praktikermethode?
Der Grundlagenartikel erklärt Formel, Herkunft und ein einfaches Rechenbeispiel. Dieser Beitrag vertieft das Thema mit mehreren Gewichtungsvarianten, einem substanzstarken Beispiel und einer Sensitivitätsanalyse zum Kapitalisierungszinssatz.

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