Autor: Schweizer Nachfolge Experten AG
Die EBIT-Multiples für Schweizer KMU bewegen sich je nach Branche in der Praxis meist zwischen 2.0x und 7.0x des bereinigten EBITDA. Handwerks-, Bau- und Gastronomiebetriebe liegen erfahrungsgemäss eher am unteren Ende dieser Bandbreite, IT- und Software-Unternehmen mit wiederkehrenden Umsätzen eher am oberen Ende.
Diese Tabelle dient als erste Orientierung für Inhaberinnen und Inhaber, die einen Verkauf oder eine Nachfolgeregelung prüfen. Sie ersetzt keine individuelle Unternehmensbewertung, zeigt aber, in welcher Grössenordnung sich der Kaufpreis für einen typischen Schweizer Betrieb bewegt, bevor unternehmensspezifische Faktoren eingerechnet werden.
Was ist ein EBIT-Multiple – und warum wird in der Praxis oft mit EBITDA gerechnet?
Ein Multiple ist ein Faktor, mit dem eine Ertragsgrösse multipliziert wird, um den Unternehmenswert (Enterprise Value) zu schätzen. Beim EBIT-Multiple ist die Bezugsgrösse der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (Earnings Before Interest and Taxes). In der Bewertungspraxis kleinerer und mittlerer Schweizer Unternehmen hat sich daneben das EBITDA-Multiple etabliert, bei dem zusätzlich Abschreibungen und Amortisationen zum Gewinn addiert werden.
Der Grund: Zwei KMU mit identischem operativem Erfolg können völlig unterschiedliche Abschreibungspolitiken haben – etwa weil das eine Unternehmen kürzlich in Maschinen investiert hat und das andere nicht. Das EBITDA glättet diesen Effekt und macht Betriebe besser vergleichbar. In der Alltagssprache von Treuhändern, M&A-Beratern und Käufern werden die Begriffe «EBIT-Multiple» und «EBITDA-Multiple» deshalb oft synonym verwendet, obwohl technisch ein Unterschied besteht. Massgebend ist stets, welche Ertragsgrösse im konkreten Fall zugrunde gelegt wird – das gehört in jedes Bewertungsgespräch geklärt.
Branchentabelle: Typische EBITDA-Multiples für Schweizer KMU
Die folgenden Bandbreiten sind Erfahrungswerte aus der Bewertungs- und Transaktionspraxis für KMU mit einem bereinigten EBITDA von rund CHF 200'000 bis CHF 3'000'000. Es handelt sich um allgemeine Grössenordnungen aus der Praxis, nicht um tagesaktuelle Marktdaten und nicht um das Ergebnis einer bestimmten Studie oder Datenbank – der tatsächliche Multiplikator eines einzelnen Unternehmens kann je nach individueller Situation deutlich davon abweichen.
| Branche | Typische Bandbreite (x bereinigtes EBITDA) | Einordnung |
|---|---|---|
| Handwerk und Bau | 2.0x – 3.5x | Stark personen- und auftragsabhängig, tiefe Skalierbarkeit |
| Gastgewerbe (Restaurants, Hotellerie) | 2.0x – 3.0x | Hohe Fixkosten, starke Standort- und Inhaberabhängigkeit |
| Detailhandel (stationär) | 2.0x – 3.5x | Margendruck, abhängig von Lage und Kundenfrequenz |
| Produktion und verarbeitendes Gewerbe | 3.0x – 4.5x | Substanzwerte und Auftragsbestand stützen die Bewertung |
| Beratung und Dienstleistung (B2B) | 3.0x – 5.0x | Skalierbar, aber oft von Schlüsselpersonen abhängig |
| Grosshandel und Logistik | 2.5x – 4.0x | Volumengetrieben, tendenziell tiefere Margen |
| Gesundheits- und Therapiepraxen | 2.5x – 4.0x | Regulatorisch geschützt, aber oft an Person gebunden |
| IT und Software (inkl. wiederkehrende Umsätze) | 4.0x – 7.0x | Hohes Wachstumspotenzial, planbare Erlösströme |
Wichtig: Diese Bandbreiten gelten für klassische KMU-Transaktionen im Nachfolgekontext, wie sie bei der M&A-Beratung für Schweizer Familienunternehmen typisch sind. Bei sehr kleinen Betrieben (bereinigtes EBITDA unter CHF 150'000) liegen die Multiplikatoren häufig am unteren Rand der jeweiligen Bandbreite oder sogar darunter, weil sich ein Käufer das höhere Betriebsrisiko stärker vergüten lässt.
Welche Faktoren verschieben den Multiplikator nach oben oder unten?
Die Branche gibt nur den groben Rahmen vor. Innerhalb einer Branche entscheiden mehrere unternehmensspezifische Faktoren darüber, ob ein Betrieb eher am unteren oder am oberen Rand der jeweiligen Bandbreite bewertet wird.
Grösse des Unternehmens
Grössere KMU mit höherem EBITDA gelten als weniger riskant, weil sie Schwankungen besser abfedern können und für mehr Käufergruppen interessant sind – neben Einzelkäufern etwa auch strategische Käufer oder Beteiligungsgesellschaften. Ein Betrieb mit CHF 2'000'000 bereinigtem EBITDA erzielt tendenziell einen höheren Multiplikator als ein sonst vergleichbarer Betrieb mit CHF 300'000 bereinigtem EBITDA.
Wachstum
Ein nachweisbarer, mehrjähriger Wachstumstrend bei Umsatz und Ertrag rechtfertigt in der Praxis häufig einen Aufschlag, weil der Käufer einen Teil des künftigen Wachstums mitkauft. Stagnierende oder rückläufige Zahlen wirken umgekehrt dämpfend, selbst wenn die aktuelle Ertragslage solide ist.
Kundenkonzentration
Hängen mehr als 20 bis 30 Prozent des Umsatzes an einem einzigen Kunden, sehen Käufer darin ein Klumpenrisiko und verlangen häufig einen Abschlag auf den sonst üblichen Multiplikator. Ein breit diversifizierter Kundenstamm ohne dominante Einzelkunden wirkt sich in der Regel positiv aus.
Inhaberabhängigkeit
Ist der operative Erfolg stark an die Person der Inhaberin oder des Inhabers gebunden – etwa weil sämtliche Kundenbeziehungen, Fachkenntnisse oder Entscheidungen bei einer Person liegen –, kalkulieren Käufer ein Übergangsrisiko ein. Ein eingespieltes zweites Führungsniveau, dokumentierte Prozesse und eine geregelte Stellvertretung erhöhen den erzielbaren Multiplikator spürbar.
Wiederkehrende Umsätze und Vertragsbindung
Abo-Modelle, Wartungsverträge oder langfristige Rahmenverträge machen künftige Erträge planbarer und werden deshalb tendenziell höher bewertet als Projekt- oder Einzelgeschäfte, die jedes Jahr neu akquiriert werden müssen.
Rechenbeispiel: Vom bereinigten EBITDA zum Unternehmenswert
Der Multiplikator wird nicht auf den Bilanzgewinn oder das unbereinigte, handelsrechtliche EBITDA angewendet, sondern auf das bereinigte EBITDA. Dabei werden unter anderem folgende Positionen normalisiert: ein marktübliches Inhabergehalt anstelle des tatsächlich bezogenen Lohns, einmalige Aufwendungen (z.B. Rechtsstreitigkeiten, Umbauten), private Kosten in der Buchhaltung sowie nicht betriebsnotwendige Erträge oder Aufwände.
Ein Beispiel aus der Beratungsbranche: Ein Zürcher Ingenieurbüro weist im ausgewiesenen Abschluss ein EBITDA von CHF 620'000 aus. Nach Bereinigung um ein marktübliches Geschäftsführergehalt (plus CHF 180'000 gegenüber dem tatsächlich sehr tiefen Bezug des Inhabers) und einen einmaligen Rechtsstreit (plus CHF 50'000) ergibt sich ein bereinigtes EBITDA von CHF 850'000.
Bei einer Bandbreite von 3.0x bis 5.0x für Beratungsunternehmen und einem soliden, aber nicht überdurchschnittlich diversifizierten Kundenstamm wird im Beispiel ein Multiplikator von 3.8x angesetzt:
Unternehmenswert (Enterprise Value) = CHF 850'000 × 3.8 = CHF 3'230'000
Von diesem Unternehmenswert wird anschliessend die Nettofinanzverschuldung abgezogen (zinstragende Schulden abzüglich liquider Mittel), um den Wert des Eigenkapitals zu erhalten. Bei einer Nettoverschuldung von CHF 250'000 ergibt sich:
Eigenkapitalwert = CHF 3'230'000 − CHF 250'000 = CHF 2'980'000
Dieser Betrag ist eine erste Annäherung. Ergänzend fliessen häufig nicht betriebsnotwendige Aktiven (z.B. eine Liegenschaft im Betriebsvermögen) sowie Erkenntnisse aus der Due Diligence in den finalen Kaufpreis ein. Eine ausführliche Herleitung der einzelnen Berechnungsschritte findet sich im Beitrag zur Firmenwertberechnung in der Schweiz.
Multiplikator-Methode vs. andere Bewertungsverfahren
Die Multiplikator-Methode ist ein marktorientiertes Verfahren und wird in der Schweiz häufig neben der Praktikermethode sowie Ertragswertverfahren eingesetzt. Für eine belastbare Aussage empfiehlt es sich, mehrere Methoden zu kombinieren und die Ergebnisse gegeneinander zu plausibilisieren, statt sich allein auf einen Tabellenwert zu verlassen.
Häufige Fehler bei der Anwendung von Branchenmultiplikatoren
Ein häufiger Fehler ist es, den oberen Wert einer Bandbreite unreflektiert zu übernehmen, weil er «gut klingt». Ebenso problematisch ist es, den Multiplikator auf den unbereinigten Gewinn anzuwenden – dadurch werden Sondereffekte doppelt oder gar nicht berücksichtigt. Wer seinen Betrieb verkaufen möchte, sollte deshalb die Bereinigungen sauber dokumentieren, bevor ein Multiplikator angewendet wird. Auch die Fixkosten eines externen M&A-Beraters gehören in die Gesamtrechnung, wenn der Nettoerlös eines Verkaufs geplant wird.
Jetzt den eigenen Unternehmenswert ermitteln
Eine Tabelle liefert die Grössenordnung – für eine belastbare Zahl braucht es die individuelle Analyse Ihrer Zahlen, Ihrer Kundenstruktur und Ihrer Inhaberabhängigkeit. Starten Sie jetzt mit einer kostenlosen Erstbewertung und erfahren Sie, wo Ihr Unternehmen innerhalb der Branchenbandbreite realistisch steht.
Häufig gestellte Fragen zu EBIT-Multiples
- Was ist der Unterschied zwischen EBIT-Multiple und EBITDA-Multiple?
- Das EBIT-Multiple bezieht sich auf den Gewinn vor Zinsen und Steuern, das EBITDA-Multiple zusätzlich vor Abschreibungen und Amortisationen. Bei Schweizer KMU wird in der Praxis meist mit dem EBITDA-Multiple gerechnet, weil unterschiedliche Abschreibungspolitiken die Vergleichbarkeit sonst verzerren.
- Warum ist die Bandbreite je nach Branche so unterschiedlich?
- Käufer bewerten Risiko und Planbarkeit der künftigen Erträge. Branchen mit wiederkehrenden Umsätzen, hoher Skalierbarkeit und geringer Personenabhängigkeit wie IT und Software erzielen deshalb tendenziell höhere Multiplikatoren als personen- und auftragsabhängige Branchen wie Handwerk oder Gastgewerbe.
- Kann ich den Multiplikator aus der Tabelle einfach auf mein Unternehmen übertragen?
- Nur als grobe Orientierung. Der konkrete Wert innerhalb der Bandbreite hängt von Faktoren wie Grösse, Wachstum, Kundenkonzentration und Inhaberabhängigkeit ab und sollte anhand einer individuellen Bewertung bestimmt werden.
- Auf welche Ertragsgrösse wird der Multiplikator angewendet?
- Massgebend ist das bereinigte EBITDA, also der operative Gewinn nach Normalisierung von Inhabergehalt, einmaligen Effekten und nicht betriebsnotwendigen Positionen – nicht der unbereinigte Bilanzgewinn.
- Wie stark senkt eine hohe Inhaberabhängigkeit den Multiplikator?
- Eine ausgeprägte Inhaberabhängigkeit gehört zu den stärksten wertmindernden Faktoren innerhalb einer Branchenbandbreite, da Käufer ein Übergangsrisiko einpreisen. Ein eingespieltes Kader und dokumentierte Prozesse können diesen Effekt spürbar abfedern.