Unternehmenswert berechnen: Methoden & Beispiel (CH)

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19. Januar 2026

Den Unternehmenswert berechnen Sie am zuverlässigsten, indem Sie mindestens zwei anerkannte Methoden – etwa Ertragswert und Substanzwert – kombinieren und das Resultat mit branchenüblichen Multiples plausibilisieren. Für einen ersten groben Richtwert genügt oft die in der Schweiz weit verbreitete Praktikermethode, für eine belastbare Zahl vor Nachfolge, Verkauf oder Bankgespräch braucht es dagegen eine professionelle Unternehmensbewertung.

Was ist ein Unternehmenswert?

Der Unternehmenswert ist der in Franken ausgedrückte Betrag, den ein Unternehmen unter realistischen Bedingungen am Markt erzielen könnte. Er ist keine feste, objektive Grösse wie der Buchwert in der Bilanz, sondern das Ergebnis einer Bewertungsmethode, die Annahmen über künftige Erträge, Risiken, Substanz und Marktumfeld trifft. Genau deshalb kommen unterschiedliche Methoden je nach Ausgangslage zu unterschiedlichen Zahlen – und genau deshalb lohnt es sich, nicht einfach eine einzelne Faustformel zu übernehmen, sondern zu verstehen, wofür sie gedacht ist.

Wichtig ist zudem: Der Wert eines Unternehmens hängt vom Bewertungsanlass ab. Für eine familieninterne Nachfolge rechnen viele Eigentümer bewusst konservativer als für einen Verkauf an einen strategischen Käufer, der Synergien realisieren kann. Auch für eine Bank, eine Erbteilung oder eine Kapitalerhöhung wird oft ein anderer Massstab angelegt. Wer den Unternehmenswert selbst berechnen will, sollte daher zuerst klären, wofür die Zahl gebraucht wird, bevor er sich auf eine Methode festlegt.

Die wichtigsten Bewertungsmethoden im Überblick

In der Schweizer KMU-Praxis haben sich im Wesentlichen vier Ansätze etabliert. Sie unterscheiden sich stark darin, ob sie auf die Ertragskraft, auf die Substanz oder auf Markttransaktionen abstellen – und damit auch darin, für welchen Unternehmenstyp sie am aussagekräftigsten sind.

Methode Grundprinzip Wann geeignet Vor-/Nachteil
Ertragswertmethode Kapitalisierung des nachhaltig erzielbaren, bereinigten Reingewinns bzw. Diskontierung künftiger Cashflows (DCF) Ertragsstarke, planbare Unternehmen mit stabiler oder wachsender Zukunft: Dienstleister, Beratungen, Softwarefirmen, etablierte Handelsbetriebe Vorteil: bildet die tatsächliche Ertragskraft ab. Nachteil: stark abhängig von Prognosen und Kapitalisierungssatz, bei jungen oder schwankenden Betrieben unsicher
Substanzwertmethode Bewertung aller Vermögenswerte zu Wiederbeschaffungs- bzw. Verkehrswerten abzüglich Schulden (bereinigtes Eigenkapital) Vermögensintensive Betriebe mit Immobilien, Maschinenpark oder Warenlager; Unternehmen mit schwacher oder unregelmässiger Ertragslage; Liquidationsszenarien Vorteil: nachvollziehbar und bilanzbasiert. Nachteil: ignoriert künftige Ertragskraft, Kundenbeziehungen und immaterielle Werte fast vollständig
Praktikermethode (Mittelwertmethode) Gewichteter Durchschnitt aus Ertragswert (doppelt gewichtet) und Substanzwert (einfach gewichtet), Formel: (2 × Ertragswert + Substanzwert) / 3 Klassische Schweizer KMU: Gewerbe- und Handwerksbetriebe, kleine Familienunternehmen, erste grobe Einschätzung ohne aufwändige Planungsrechnung Vorteil: einfach, schnell, in der Praxis breit akzeptiert. Nachteil: methodisch umstritten, für grössere oder wachstumsstarke Firmen zu ungenau
Multiples (EBIT-/EBITDA-Multiplikatoren) Marktübliches Vielfaches von EBIT oder EBITDA, abgeleitet aus vergleichbaren Branchentransaktionen M&A-Prozesse mit verfügbaren Vergleichsdaten, mittelgrosse KMU, Branchen mit aktivem Transaktionsmarkt Vorteil: marktnah und für Käufer gut verständlich. Nachteil: Vergleichsdaten für kleine Schweizer KMU oft dünn, Multiple muss sorgfältig angepasst werden

Welche Methode passt zu welchem KMU-Typ?

Für die tägliche Praxis lohnt sich folgende Faustregel: Ein margenstarker, wachsender Dienstleistungs- oder Technologiebetrieb mit wenig Sachanlagen wird über den Ertragswert oder über Multiples realistischer abgebildet als über die Substanz – hier lohnt sich ein Blick in unseren Vergleich Ertragswert vs. Substanzwert: Was wann zählt. Ein traditioneller Handwerks- oder Gewerbebetrieb mit solidem Anlagevermögen, aber schwankendem Gewinn, fährt oft besser mit der Praktikermethode, weil sie Substanz und Ertrag ausgleicht. Steht ein Verkaufsprozess mit mehreren Interessenten bevor, lohnt sich zusätzlich ein Blick auf branchenübliche EBIT-Multiples für Schweizer KMU, weil Käufer ihre Preisvorstellung meist an solchen Multiplikatoren ausrichten. Unternehmen mit hohem Immobilien- oder Maschinenanteil, aber geringer laufender Ertragskraft, sollten dem Substanzwert ein stärkeres Gewicht geben als der reinen Praktikermethode.

In der Praxis empfiehlt es sich generell, nicht nur eine Methode zu rechnen, sondern zwei bis drei parallel anzuwenden und die Ergebnisse zu vergleichen. Weichen die Werte stark voneinander ab, ist das meist ein Hinweis darauf, dass Annahmen – etwa zum Kapitalisierungssatz oder zu stillen Reserven – nochmals überprüft werden sollten.

Schritt-für-Schritt: So berechnen Sie einen groben Richtwert

Auch ohne externe Beratung lässt sich ein erster, grober Richtwert in wenigen Schritten selbst ermitteln. Er ersetzt keine fundierte Bewertung, gibt aber eine erste Grössenordnung.

  1. Bereinigten Reingewinn ermitteln: Nehmen Sie den Durchschnitt der letzten drei Geschäftsjahre und rechnen Sie einmalige Effekte sowie einen marktüblichen Unternehmerlohn heraus, falls dieser bisher zu niedrig oder zu hoch angesetzt war.
  2. Kapitalisierungssatz festlegen: Für kleinere Schweizer KMU wird häufig ein Satz zwischen 10 % und 15 % verwendet, abhängig von Branche, Grösse und Risiko.
  3. Ertragswert berechnen: Bereinigter Reingewinn geteilt durch den Kapitalisierungssatz.
  4. Substanzwert ermitteln: Bilanzielles Eigenkapital um stille Reserven, nicht betriebsnotwendige Werte und aktuelle Marktwerte von Immobilien oder Maschinen korrigieren.
  5. Praktikerwert bilden: Ertragswert doppelt und Substanzwert einfach gewichten, Summe durch drei teilen.
  6. Mit Multiples plausibilisieren: Aktuelle EBIT-Multiples der Branche auf den eigenen EBIT anwenden und das Ergebnis mit dem Praktikerwert vergleichen.

Wer diese Schritte einmal selbst durchrechnet, versteht die Werttreiber des eigenen Unternehmens deutlich besser – und kann ein späteres professionelles Bewertungsgutachten viel gezielter hinterfragen.

Beispiel: Bewertung einer Schreinerei mit der Praktikermethode

Eine inhabergeführte Schreinerei im Kanton Aargau erwirtschaftet im Durchschnitt der letzten drei Jahre einen bereinigten Reingewinn von CHF 130'000. Bei einem für den kleinen Handwerksbetrieb üblichen Kapitalisierungssatz von 13 % ergibt sich ein Ertragswert von CHF 130'000 / 0,13 = CHF 1'000'000.

Das bereinigte Eigenkapital laut Bilanz – nach Auflösung stiller Reserven auf Maschinen und Fahrzeugen sowie Korrektur nicht betriebsnotwendiger Aktiven – beträgt CHF 550'000. Das ist der Substanzwert.

Der Praktikerwert berechnet sich als gewichteter Durchschnitt: (2 × CHF 1'000'000 + CHF 550'000) / 3 = CHF 2'550'000 / 3 = CHF 850'000.

Ein Vergleich mit branchenüblichen EBIT-Multiples für kleine Handwerksbetriebe bestätigt in diesem Fall eine ähnliche Grössenordnung, sodass CHF 850'000 als plausibler erster Richtwert für weitere Gespräche – etwa mit einer Nachfolgerin oder der Bank – dienen kann. Ob dieser Wert im konkreten Verkaufs- oder Nachfolgeprozess auch tatsächlich erzielbar ist, hängt zusätzlich von Faktoren wie Kundenbindung, Auftragsbestand und Abhängigkeit vom bisherigen Inhaber ab.

Häufige Fehler bei der Unternehmensbewertung

  • Nur eine einzige Methode anwenden und das Ergebnis unhinterfragt als «den» Unternehmenswert übernehmen.
  • Den eigenen Unternehmerlohn nicht marktgerecht ansetzen und dadurch den Ertragswert künstlich zu hoch oder zu tief rechnen.
  • Einmalige Sondereffekte – etwa einen ausserordentlichen Grossauftrag oder eine Versicherungszahlung – im Gewinn belassen, statt sie zu bereinigen.
  • Stille Reserven auf Immobilien, Maschinen oder Warenlager bei der Substanzwertberechnung übersehen.
  • Den Kapitalisierungssatz «aus dem Bauch heraus» festlegen, statt ihn anhand von Branche, Grösse und Risikoprofil herzuleiten.
  • Den Bewertungsanlass ausser Acht lassen und denselben Wert unreflektiert für Nachfolge, Verkauf und Erbteilung verwenden.

Wann brauche ich professionelle Unterstützung?

Ein selbst berechneter Richtwert eignet sich für eine erste Orientierung – sobald es jedoch um eine reale Nachfolgeregelung, einen Verkaufsprozess oder Verhandlungen mit Kaufinteressenten geht, sollten Annahmen, Kapitalisierungssatz und stille Reserven von einer erfahrenen Fachperson überprüft werden. Das gilt besonders, wenn mehrere Käufer verglichen werden müssen oder steuerliche Aspekte eine Rolle spielen, etwa im Rahmen einer KMU-Nachfolgeregelung oder eines strukturierten KMU-Verkaufsprozesses. Die Schweizer Nachfolge Experten AG erstellt für Sie eine fundierte, methodisch abgesicherte Bewertung, die Sie gegenüber Käufern, Banken oder Erben belastbar begründen können. Fordern Sie jetzt Ihre professionelle Unternehmensbewertung an oder nehmen Sie unverbindlich Kontakt mit uns auf.

Aktualisiert am 26. August 2026 · Autor: Schweizer Nachfolge Experten AG

FAQ: Unternehmenswert berechnen

Wie berechne ich schnell einen groben Unternehmenswert?
Am schnellsten gelingt eine erste Schätzung mit der Praktikermethode: Sie bilden den gewichteten Durchschnitt aus Ertragswert (doppelt gewichtet) und Substanzwert (einfach gewichtet) und teilen die Summe durch drei. Das Ergebnis ist ein grober, aber in der Schweizer KMU-Praxis breit akzeptierter Richtwert.
Welche Bewertungsmethode ist für ein Schweizer KMU am gebräuchlichsten?
Für klassische Gewerbe- und Handwerksbetriebe ist die Praktikermethode am weitesten verbreitet, weil sie Ertragskraft und Substanz kombiniert und ohne aufwändige Planungsrechnung auskommt. Für ertragsstarke Dienstleistungs- oder Technologieunternehmen ist der reine Ertragswert oder ein Multiples-Ansatz oft aussagekräftiger.
Was ist der Unterschied zwischen Ertragswert und Substanzwert?
Der Ertragswert bewertet ein Unternehmen anhand seiner künftig erzielbaren Gewinne, während der Substanzwert auf den aktuellen Verkehrswerten der Vermögensgegenstände abzüglich Schulden basiert. Details und Anwendungsfälle beider Methoden finden Sie im Beitrag Ertragswert vs. Substanzwert: Was wann zählt.
Kann ich meinen Unternehmenswert online kostenlos berechnen?
Online-Rechner können eine erste, sehr grobe Orientierung liefern, ersetzen aber keine individuelle Analyse von Bilanz, Ertragslage und Marktumfeld. Wie zuverlässig solche Tools tatsächlich sind, erläutern wir im Beitrag zur Online-Unternehmensbewertung in der Schweiz.
Was kostet eine professionelle Unternehmensbewertung in der Schweiz?
Die Kosten hängen von Unternehmensgrösse, Komplexität und gewähltem Bewertungsumfang ab und reichen von einer kompakten Richtwertermittlung bis zu einem umfassenden Bewertungsgutachten für einen Verkaufs- oder Nachfolgeprozess. Eine unverbindliche Einschätzung erhalten Sie über unsere Seite zur Unternehmensbewertung.

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