Firma kaufen in der Schweiz: Suche & Finanzierung

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2. März 2026

Wer eine Firma in der Schweiz kaufen will, findet passende Übernahmeobjekte vor allem über spezialisierte Nachfolgebörsen, Treuhänder und M&A-Berater – nicht über klassische Stelleninserate oder Zufallsfunde. Finanziert wird ein Firmenkauf in der Praxis fast immer aus einer Kombination von Eigenkapital, Bankkredit und Verkäuferdarlehen (Vendor Loan), selten aus einer einzigen Quelle. Den vollständigen Ablauf vom ersten Kontakt bis zur Vertragsunterzeichnung beschreiben wir Schritt für Schritt im Beitrag Unternehmer werden in 5 Schritten. Dieser Artikel konzentriert sich bewusst auf die zwei Fragen, die sich Kaufinteressenten zuerst stellen: Wo finde ich überhaupt eine geeignete Firma, und wie stemme ich die Finanzierung konkret?

Wo finde ich ein Unternehmen zum Kauf in der Schweiz?

Die meisten KMU-Nachfolgen in der Schweiz werden nicht öffentlich ausgeschrieben. Verkäuferinnen und Verkäufer scheuen die Publizität, weil Mitarbeitende, Kunden und Lieferanten von einem laufenden Verkaufsprozess möglichst spät erfahren sollen. Wer aktiv sucht, braucht deshalb mehrere Kanäle gleichzeitig.

Nachfolgebörsen sind der naheliegendste Einstieg. Plattformen wie KMU Next (die vom Bund mitgetragene Nachfolgebörse), CH Trade Point oder companymarket.ch listen anonymisierte Kurzprofile von Verkaufsobjekten nach Branche, Kanton und Umsatzgrösse. Der Nachteil: Auf diesen Börsen konkurrieren Sie mit vielen anderen Interessenten um dieselben, oft bereits mehrfach angefragten Firmen.

Treuhandbüros sind der zweite wichtige Kanal. Praktisch jeder Schweizer Treuhänder betreut mehrere KMU-Mandanten, die in den nächsten Jahren eine Nachfolge regeln müssen, lange bevor ein offizielles Inserat existiert. Ein persönliches Gespräch mit Treuhändern in der Zielregion – oft über den kantonalen Treuhänderverband oder die lokale Handelskammer vermittelt – öffnet Türen, die online nie sichtbar werden.

M&A-Berater und spezialisierte Nachfolgeexperten kennen zusätzlich Verkaufsmandate, die nie öffentlich vermarktet werden, weil der Verkäufer diskret einen einzigen geeigneten Käufer sucht. Wenn Sie eine bestimmte Branche oder Region im Fokus haben, lohnt sich ein direktes Mandat: Sie beschreiben Ihr Suchprofil (Branche, Umsatzgrösse, Kaufpreisrahmen), der Berater gleicht es mit seinem Netzwerk ab. Mehr zu diesem Vorgehen und den branchenüblichen Konditionen finden Sie im Beitrag Kosten von M&A-Beratern in der Schweiz.

Der vierte Kanal wird häufig unterschätzt: das eigene berufliche Netzwerk. Branchenverbände, Alumni-Netzwerke, Wirtschaftskammern und selbst Lieferanten oder Wettbewerber wissen oft frühzeitig, wenn ein Inhaber die Nachfolge sucht. Wer in einer Branche bereits tätig ist, hat hier einen klaren Vorteil gegenüber branchenfremden Käufern.

Suchkanäle im Überblick

KanalVorteilNachteil
Nachfolgebörsen (z. B. KMU Next, CH Trade Point)Grosse Auswahl, schneller Marktüberblick, kostenlos zugänglichHohe Konkurrenz, Angaben oft anonymisiert und unvollständig
TreuhandbürosFrühzeitiger Zugang vor öffentlicher Vermarktung, regionale MarktkenntnisErfordert aktiven Beziehungsaufbau, kein zentrales Verzeichnis
M&A-Berater / NachfolgeexpertenZugriff auf diskrete, nicht öffentlich vermarktete Mandate; professionelle VorselektionKostenpflichtig, meist erst ab mittlerer Transaktionsgrösse sinnvoll
Persönliches Netzwerk / VerbändeVertrauensvorschuss, oft bessere Konditionen für BrancheninsiderAufbau braucht Zeit, Ergebnis stark vom eigenen Netzwerk abhängig
Banken (Corporate-Finance-Abteilungen)Kombiniert Objektsuche direkt mit FinanzierungsgesprächenFokus meist auf grössere, bankfähige Transaktionen

Wie finanziere ich einen Firmenkauf?

Die Finanzierungsstruktur entscheidet oft darüber, ob ein Kauf überhaupt zustande kommt. In der Schweiz hat sich ein Muster aus vier Bausteinen etabliert, die selten einzeln, meist aber kombiniert zum Einsatz kommen.

Eigenkapital. Banken erwarten üblicherweise, dass Käuferinnen und Käufer 20 bis 30 Prozent des Kaufpreises aus eigenen Mitteln einbringen. Bei einem Kaufpreis von CHF 1'000'000 sind das je nach Verhandlungsposition und Risikoprofil des Zielunternehmens zwischen CHF 200'000 und CHF 300'000. Wer weniger Eigenkapital mitbringt, muss dies über eine stärkere Verkäuferbeteiligung oder zusätzliche Sicherheiten ausgleichen.

Bankkredit. Der grösste Teil des Kaufpreises wird typischerweise über einen klassischen Bankkredit finanziert, gedeckt durch die Aktiven des Zielunternehmens und den erwarteten freien Cashflow. Massgeblich ist dabei nicht der Umsatz, sondern die nachhaltige EBITDA-Marge: Banken rechnen in der Regel mit einem Kapitaldienst, der aus dem laufenden Cashflow tragbar sein muss – nicht auf dem Papier, sondern in der Realität der letzten drei Geschäftsjahre.

Vendor Loan (Verkäuferdarlehen). In vielen Schweizer KMU-Transaktionen stundet der Verkäufer einen Teil des Kaufpreises – üblich sind 10 bis 30 Prozent – und lässt sich diesen über zwei bis fünf Jahre aus dem laufenden Geschäft zurückzahlen. Das reduziert den nötigen Bankkredit, signalisiert der Bank Vertrauen des Verkäufers in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens und gleicht die Interessen beider Parteien an: Der Verkäufer hat ein eigenes Interesse daran, dass die Übergabe gelingt.

Beteiligungskapital. Bei grösseren Transaktionen oder wenn Eigenkapital und Bankfinanzierung nicht ausreichen, kommen Beteiligungsgesellschaften, Family Offices oder spezialisierte Nachfolgefonds ins Spiel. Sie übernehmen einen Minderheits- oder Mehrheitsanteil gegen Kapitaleinlage, meist mit einer definierten Exit-Perspektive nach fünf bis acht Jahren. Für die meisten kleineren KMU-Übernahmen unter CHF 2'000'000 Kaufpreis ist diese Variante aber eher die Ausnahme als die Regel.

Wie sich diese Bausteine konkret auf den Kaufpreis auswirken und wie ein Käufer den realistischen Unternehmenswert einschätzt, erklären wir vertieft im Beitrag Wie Käufer Firmen bewerten. Eine erste Einschätzung des Werts eines Zielunternehmens erhalten Sie zudem direkt über unseren Unternehmenswertrechner.

Beispiel: Firmenkauf im Kanton Bern

Ein Käufer interessiert sich für einen etablierten Handwerksbetrieb im Kanton Bern mit 14 Mitarbeitenden, einem Jahresumsatz von rund CHF 2'800'000 und einem nachhaltigen EBITDA von CHF 320'000. Der Verkäufer, 61-jährig, sucht eine Nachfolge über die regionale Nachfolgebörse und parallel über sein Treuhandbüro.

Nach Praktikermethode und einem Branchenmultiple von rund 4,5-fach EBITDA einigen sich beide Seiten auf einen Kaufpreis von CHF 1'450'000. Die Finanzierung setzt sich so zusammen: Der Käufer bringt CHF 350'000 Eigenkapital ein (rund 24 Prozent), die Kantonalbank finanziert CHF 800'000 über einen klassischen Investitionskredit, und der Verkäufer gewährt ein Vendor Loan von CHF 300'000 über vier Jahre zu marktüblichem Zins. Diese Struktur reduziert das Bankkreditvolumen auf ein Mass, das aus dem laufenden Cashflow des Betriebs tragbar ist, und gibt dem Verkäufer gleichzeitig ein Interesse am Fortbestand des Betriebs über die Übergabe hinaus.

Häufige Fehler bei der Firmensuche

Der häufigste Fehler ist mangelnde Geduld: Eine passende Firma zu finden, dauert in der Schweiz erfahrungsgemäss sechs bis achtzehn Monate – wer nach wenigen Wochen aufgibt, verpasst die meisten diskret vermarkteten Mandate, die erst über Netzwerk und Treuhänder entstehen.

Der zweite Fehler: Käufer verhandeln über den Kaufpreis, bevor sie eine eigene, unabhängige Bewertung erstellt haben, und verlassen sich allein auf die Zahlen des Verkäufers. Wie sich eine belastbare, käuferseitige Bewertung von der Verkäuferoptik unterscheidet, zeigt der Beitrag Wie Käufer Firmen bewerten.

Der dritte Fehler betrifft die Finanzierung: Viele Käufer klären die Finanzierungsfähigkeit erst nach Unterzeichnung der Absichtserklärung (Letter of Intent) statt vorher. Ein indikatives Bankgespräch vor der ersten Kontaktaufnahme mit einem Zielunternehmen erspart spätere Enttäuschungen und stärkt die Verhandlungsposition erheblich.

Der vierte Fehler ist eine unvollständige oder zu späte Due-Diligence-Prüfung. Wer erst nach Vertragsunterzeichnung feststellt, dass Verträge, Bilanzen oder Bewilligungen nicht sauber sind, trägt ein Risiko, das sich mit einer strukturierten Prüfung vorab vermeiden lässt. Details dazu im Beitrag Due Diligence in der Schweiz prüfen.

Wann brauche ich professionelle Unterstützung?

Solange Sie nur den Markt sondieren, reichen Eigenrecherche und erste Gespräche mit Treuhändern aus. Sobald jedoch konkrete Verhandlungen, eine Bewertung oder die Finanzierungsstruktur anstehen, zahlt sich professionelle Begleitung aus – sie schützt vor Fehleinschätzungen beim Kaufpreis, strukturiert die Bankgespräche und sichert die Vertragsdetails ab. Die M&A-Beratung der Schweizer Nachfolge Experten AG begleitet Käuferinnen und Käufer von der Objektsuche über die Bewertung bis zum Vertragsabschluss. Lassen Sie Ihr Zielunternehmen unverbindlich über unseren Unternehmenswertrechner einschätzen oder kontaktieren Sie uns für ein persönliches Erstgespräch.

Aktualisiert am 26. August 2026 · Autor: Schweizer Nachfolge Experten AG

FAQ: Firma kaufen in der Schweiz

Wie lange dauert es, eine Firma zum Kauf zu finden?
In der Schweiz rechnen Kaufinteressenten realistisch mit sechs bis achtzehn Monaten aktiver Suche, bis eine passende Firma gefunden und die Übernahme vertraglich vereinbart ist. Über Nachfolgebörsen geht es teils schneller, über Netzwerk und Treuhänder dauert der Aufbau der Kontakte länger, führt aber häufiger zu diskreten, weniger umkämpften Mandaten.
Wie viel Eigenkapital brauche ich für einen Firmenkauf?
Banken verlangen in der Regel 20 bis 30 Prozent des Kaufpreises als Eigenkapital. Bei einem Kaufpreis von CHF 1'000'000 entspricht das etwa CHF 200'000 bis CHF 300'000. Ein höherer Vendor-Loan-Anteil des Verkäufers kann den nötigen Eigenkapitalanteil in Einzelfällen leicht senken.
Was ist ein Vendor Loan und wie funktioniert er?
Ein Vendor Loan ist ein Verkäuferdarlehen: Der Verkäufer stundet einen Teil des Kaufpreises, meist 10 bis 30 Prozent, und lässt sich diesen über zwei bis fünf Jahre aus dem laufenden Geschäft des Käufers zurückzahlen. Er reduziert den nötigen Bankkredit und richtet die Interessen von Käufer und Verkäufer nach der Übergabe aufeinander aus.
Wo finde ich seriöse Nachfolgebörsen in der Schweiz?
Zu den bekanntesten Plattformen gehören KMU Next, CH Trade Point und companymarket.ch. Ergänzend lohnt sich der direkte Kontakt zu Treuhandbüros und M&A-Beratern in der Zielregion, da viele Verkaufsmandate nie öffentlich auf einer Börse erscheinen.
Brauche ich für den Firmenkauf zwingend einen M&A-Berater?
Zwingend nicht, aber empfehlenswert, sobald konkrete Verhandlungen, eine Bewertung oder eine mehrstufige Finanzierungsstruktur anstehen. Ein Berater bringt Zugang zu diskreten Mandaten, strukturiert die Bankgespräche und reduziert das Risiko, den Kaufpreis falsch einzuschätzen.
Wie unterscheidet sich der Firmenkauf vom Prozess des Firmenverkaufs?
Aus Käufersicht stehen die Objektsuche, die eigene Bewertung des Zielunternehmens und die Finanzierung im Vordergrund. Den vollständigen Prozess inklusive aller fünf Schritte – von der ersten Idee bis zur Übergabe – beschreibt der Beitrag Unternehmer werden in 5 Schritten im Detail.

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